Interview mit dem slowakischen Zuchtwart

 

Slowakischer Rauhaariger Vorstehhund "Z Milhostovskych poli"

 

Michal Urban

 

 

 

Michal Urban, Jahrgang 1978, ist von Beruf-Agrar Ingenieur und lebt mit seiner Gefährtin Tatiana und den drei Kindern Michal, Maxim und Simon in Zeliezovce im Südwesten der Slowakei. Jäger ist er seit 2001 und schon ein Jahr später begann er auch mit der Zucht des Slowakischen Rauhaar Vorstehhundes in seinem Zwinger "Z Milhostovskych poli". Dem Rasseklub in seinem Heimatland steht Michal als Sekretär zur Verfügung.

 

Seit wann interessieren Sie sich für den Slowakischen Rauhhaarigen Vorstehhund, und warum haben Sie gerade diese Rasse gewählt?

Ich bin seit 1997 an der Rasse interessiert, nur ging ich damals noch zur Universität und hatte deshalb nicht die Möglichkeit, einen SHS zu halten. Ich war auch damals schon sehr an der genetischen Situation dieser Rasse interessiert.

 

Würden Sie uns erläutern, wegen welcher Eigenschaften, die die Rasse besitzt (oder besitzen sollte), ein potenzieller Führer sie anderen Rassen gegenüber bevorzugen könnte?

Der Slowakische Rauhaar Vorstehhund war lange Jahre vor allem für Anfänger gezüchtet und ist genetisch so angelegt, dass er sehr leichtführig ist und beim Training die Übungen und Befehle sehr schnell begreift. Er hat eine besonders stark ausgeprägte Anlage für den Apport, die Nachsuche und die Schweissarbeit und mag sehr gern Wasserarbeit absolvieren. Ferner ist er sehr nervenfest und hält beim jagdlichen Einsatz immer den Kontakt zu seinem Führer. Für mich persönlich ist diese Rasse aber „Herzensache“ und ich bin stolz auf unsere Nationalrasse.

 

Slowakischer Rauhaariger Vorstehhund, Slowakischer Rauhbart Foto: SHOWDOG.CZ

Gibt es Ihrer Ansicht nach bei der Rasse eine Anlage, die bei ihren Führern heute nicht mehr die angemessene Beachtung findet?

Die heutige Situation der Rasse ist ein bisschen anders als vor 20 Jahren. Das liegt vor allem an den veränderten Jagdmöglichkeiten in der Slowakei. Früher hatten wir mehr Niederwild und führten so genannte „Kollektivjagden“ durch. Dabei war ein Hund gut, der nicht so weit lief und unter der Flinte seines Führers in einer Distanz von ca. 50-60 Metern suchte. Heute hingegen ist gefragt, dass die Hunde schneller und weiter suchen können und insgesamt „sportlicher“ sind. Diese Veränderungen haben sich in der Rasse selbst vollzogen, da wir in den letzten Jahren bei den Einkreuzungen zur Blutauffrischung nur die besten Jagdhunde verwendet haben.

 

Welche Anlagen muss ein „guter“ Rassevertreter unbedingt besitzen, um als solcher bezeichnet werden zu können?

Vor allem muss er ein nervenfester Vorstehhund sein, der schnell und weit genug sucht, beste Nase beweist, fest vorsteht, die angeborenen Anlagen fürs Apportieren, für Wasserarbeit und Schweissarbeit besitzt.

Slowakischer Rauhaariger Vorstehhund, Slowakischer Rauhbart Foto: Katharina Kaminsky

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Rasse ein, und wenn es in Ihrer Macht läge, gibt es etwas in der heutigen Zucht der Rasse das Sie ändern würden?

Die Situation hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Bei uns in der Slowakei sind viele neue Interessenten in die Haltung und Zucht der Rasse eingestiegen und sie sind sich ihrer Verantwortung, was sie mit dem Slowakischen Rauhaar Vorstehhund in Zukunft machen, sehr bewusst.
Gut ist die Lage auch in Holland und Deutschland, wo in einigen Monaten Rasseklubs gegründet werden sollen.
Alles was diese Rasse im Moment eigentlich braucht, ist eine grössere jährliche Welpenzahl, um sich schneller entwickeln zu können. Natürlich unter Beibehaltung und Fixierung aller nötigen
Jagdanlagen, denn die Rasse war ursprünglich für die Jagd gezüchtet und so soll es auch unbedingt bleiben, schliesslich ist der Slowakische Rauhaar Vorstehhund ja nur dank der Jagdanlagen so wie er ist. (Deshalb ist es auch wichtig, dass die Züchter gut aufpassen, in welche Hände ihre Welpen gehen.) Die Rasse als solche ist noch sehr jung und braucht noch viel Arbeit, aber es freut mich sehr, dass es immer besser geht und die Fortschritte sichtbar sind.

Sind die Rasse und ihre Eigenschaften Ihrer Meinung nach bei den potenziellen Führern gut genug bekannt oder braucht es mehr Aufklärung?

Natürlich braucht der Slowakische Rauhaar Vorstehhund als relativ neue und unbekannte Rasse noch viel Promotion. Viele Jagdhundeführer sind „konservativ“, darum sehe ich als einzigen Weg, um die Rasse vorstellen und besser bekannt machen zu können, dass sie sich auf nationalem und internationalem Niveau durch ihre jagdlichen Leistungen profiliert.

Halten Sie persönlich es für notwendig, an Vereinstreffen, Prüfungen und Ausstellungen teilzunehmen?

Ja, das ist für die Zukunft der Rasse mit das Wichtigste, denn bei solchen Veranstaltungen kann man die eigenen Hunde mit andere Rassenvertretern vergleichen.

Für welche Form der Jagd und für welches Wild ist die Rasse besonders geeignet?

Ich jage mit meinen Hunden am liebsten Enten und Fasanen. Aber wie ich vorhin schon sagte sind Slowakische Rauhaar Vorstehhunde sehr gute Schweisshunde, und Nachsuchen auf Rehe können auch sehr spannend sein...

 

Und schliesslich als letzte Frage: welche Ratschläge würden Sie jemandem geben, der sich entschieden hat, erstmals mit dieser Rasse jagen zu gehen?

Es ist wichtig für die Welpen, ihnen schon ab diesem Alter so viel Kontakt mit Wild und Jagd zu geben wie möglich. Dann ist bei der Ausbildung und später auch bei der Jagd alles viel einfacher.

 

 

Interview geführt von Sabine Middelhaufe, 2012

Druckversion Druckversion | Sitemap
Slowakischer Rauhbart vom Höfischen Holz